Susa


Susa
Susa,
 
1) Stadt im westlichen Piemont, Provinz Turin, Italien, an der Dora Riparia, 6 700 Einwohner; Bischofssitz.
 
 
Susa, das römische Segusio, beherrschte die Pässe des Mont Cenis und Mont Genèvre und wurde viel umkämpft. Susa gehörte zum Stammland des Hauses Savoyen.
 
 2) Stadt des Altertums beim heutigen Dorf Schụsch in Südwestiran, Provinz Khusistan, rd. 100 km nördlich von Ahwas; Hauptstadt von Elam, von Assurbanipal um 646 v. Chr. zerstört, seit 539 v. Chr. eine der Hauptstädte der Achaimeniden. - Die alte mächtige Handelsstadt besteht heute aus mehreren teilweise abgetragenen Ruinenhügeln in der Ebene. Französische Ausgrabungen (ab 1884) erschlossen Schichten vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert n. Chr.; es wurde eine Fülle von Kunstwerken geborgen. Die besonders feine, bemalte Keramik (Susa A, etwa 3900-3500) wurde bedeutsam für die Datierung der vorderasiatischen Frühgeschichte. Auf ihr sind oft stilisierte Steinböcke abgebildet, auch Stelzvögel. Stempelsiegel der Zeit zeigen den »Herrn der Tiere«. Kupferäxte aus Gräbern bezeugen den Kupferimport vom Hochland, mit dem Susa A kulturell enge Beziehungen aufweist. Zu Susa A gehört auch eine mächtige Ziegelterrasse für den Sakralbereich. Die in den Schichten etwa seit 3000 auftretenden Rollsiegel stellen mehrfach Vorratshaltung dar, auf einem ist der Tempel der Stadt zu sehen, der mit Hörnern geschmückt war. In Schichten ab etwa 2800 traten Tontafeln mit protoelamischer Schrift auf. Eine neue Keramik (2800-2400) verbreitete sich. Die Rollsiegel zeigen nun v. a. lebendig wiedergegebene Tiere. Häufig sind Arbeiten aus in der Nähe gebrochenem bitumenhaltigem Kalkstein (z. B. reliefierte Postamente für Opfergaben). Babylonische Keilschrifttafeln (in akkadischer und seit dem 13. Jahrhundert v. Chr. in mittelelamerikanischer Sprache) sind in Susa ab etwa 2300 belegt, vorübergehend (ab 2050, nach Abschüttelung der akkadischen Herrschaft) Täfelchen mit elamischen Strichinschriften. Die 3. Dynastie von Ur hinterließ Reste von zwei großen Tempeln in sumerischer Tradition. Nach 1940, v. a. im 19. Jahrhundert wuchs im Nordosten der Akropolis eine prachtvolle Wohnstadt, sie wurde vor der Mitte des 2. Jahrtausends verlassen (Ausgrabungen 1946 ff.), auch die Akropolis verfiel. Mitte des 13. Jahrhunderts wurden deren Tempel von König Untasch-Napirischa wiedererrichtet; Fragmente einer im Louvre befindlichen Stele zeigen ihn bei Kulthandlungen, ein Bronzestandbild seine Gemahlin. Susa ist Fundort vieler, um 1155 v. Chr. von Schutruk-Nahhunte I. hierher verschleppter babylonischer Denkmäler, u. a. der Gesetzesstele Hammurapis und der Siegesstele des Naramsin. Er und seine Nachfolger erneuerten den Tempel des Inschuschinak; eine Fassade war mit einem unglasierten Ziegelrelief geschmückt, das eine Göttin und Stiermenschen zwischen stilisierten Palmen darstellt (heute ebenfalls im Louvre). Eine neue Bautätigkeit setzt nach der Zerstörung um 1100 v. Chr. durch Nebukadnezar I. erst um 700 v. Chr. ein; der quadratische Tempel (innen mit bunt glasierten Plättchen, mit Stiften mit Tierköpfen befestigt) weist nach Urartu. Nach der Zerstörung von 646 v. Chr. wurde die Stadt bald von zwei Bevölkerungsgruppen (Elamiern und Iraniern) wieder besiedelt (Grabfunde von glasierten Tongefäßen, Statuetten, Siegeln mit neuartigen Jagdszenen, Tontäfelchen in mittelelamerikanischer Sprache). - Aus persischer Zeit blieben zwei königliche Paläste erhalten. Vom Palast Dareios' I. stammen die Wandverkleidungen aus glasierten Ziegeln mit Figuren im flachen Relief im Louvre (Reihen von elamischem Palastgarden sowie Mischwesen). Dareios hatte seinen Palast nördlich der Akropolis auf riesigen Fundamenten (Länge 150 m) errichten lassen mit einem Wohnbereich nach babylonischem Vorbild (wo auch seine Gründungsurkunde gefunden wurde) und einer achaimenidischen Apadana mit 72 Säulen. Er hatte die Stadt auch befestigt, der prachtvolle Torbau stammt von Xerxes I. Ein kleinerer ähnlicher Palast von Artaxerxes II. wurde 1970 ff. freigelegt. - Als Siedlung bestand Susa bis ins 12. Jahrhundert n. Chr. fort; ein islamisches Grabmonument (Kenotaph für den Propheten Daniel) wird von Pilgern aufgesucht.
 
 
Mémoires de la délégation archéologique en Iran (Paris 1966 ff.; früher u. a. T.).
 
Weitere Literatur: elamische Kultur.
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Pasargadai, Persepolis und Susa: Die Großkönigsresidenzen
 

Universal-Lexikon. 2012.

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